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Remy Franck, Pizzicato, 26.10.2016
Remy Franck, Pizzicato, 26.10.2016

With most refined arrangements, fresh and vivid performances and a marvellous recorded sound, this CD is a sheer aural delight.

Pizzicato, 26.10.2016 – review by Remy Franck

Das dänische Bläserquintett ‘Carion’ legt mit dieser CD ein ganzes Programm mit eigens für das Ensemble arrangierten Werken vor. Und wenn sich für den Rezensenten am Anfang Fragezeichen bezüglich Sinn und Zweck des Unternehmens stellten, so waren alle Zweifel schnell verschwunden, und das wegen der von David Palmquist absolut großartig gemachten und die einzelnen Werke durchaus bereichernden Arrangements, welche die Instrumente wunderbar beschäftigen und in optimaler Weise einsetzen. So ergibt sich ein sehr farbiges Klangbild, das auch noch irgendwo immer spaßig ist, trotz des düsteren Mephisto-Gedankens, der durchs Programm schwirrt und hinreißend sarkastisch klingen kann. Und so sind sämtliche Stücke, nicht zuletzt wegen des technisch herausragenden und lebendigen Spiels des Ensembles ein auraler Genuss.

Viel Lob verdient auch der Toningenieur Torsten Jessen, dessen glasklares und aufs Natürlichste ausbalanciertes Klangbild phänomenal ist.

Andrew Mellor, Gramaphone
Andrew Mellor, Gramaphone

If everyone approached an anniversary year like Carion and Odradek have here, our listening would be infinitely richer.

The disc lines up Nielsen’s famous Wind Quintet against identically scored works by Danish composers who were noticeably and fascinatingly influenced by him.

And the Nielsen? … Carion’s approach is as different as can be given the writing. Blend is exceptional and the sound, from the spacious acoustic of Copenhagen’s Christians Kirke, unusually resonant. That lack of intimacy can prove a shock… but Carion conjure character vividly when they need to (Egīls Šēfers’s vision of Nielsen’s ‘choleric’ clarinetist Aage Oxenvad included)… It’s not a vision I’m used to in this work — all the more reason for them to record it and for us to hear it.

Anthony Burton, 
BBC Magazine, 
25.02.16
Anthony Burton, BBC Magazine, 25.02.16

Nielsen’s Footsteps
BBC Music Magazine review

Carl Nielsen’s Wind Quintet of 1921-22, written shortly after the great Fifth Symphony, is a pillar of the wind chamber music repertoire and a treasurable example of the composer’s distinctive genius. The Danish-Latvian ensemble Carion does it full justice: the players, all secure in technique and beautiful in tone, combine with immaculate attack, balance and tuning, as well as a sense of shared purpose. This may owe something to their habitual way of working: they play from memory, standing up, and moving around to bring out the changing balance of the music, and even act out the interrelationship of the parts (such as the ‘quarrel’ between clarinet and bassoon in the variation finale). This approach is demonstrated, impressively, in the bonus DVD of the Nielsen. Unfortunately it isn’t so clear in the CD recording, made in a resonant church acoustic which presents al the instruments in larger-than-life close-up.

The rest of the CD consists of Danish quintets written under the influence of Nielsen’s masterpiece. Kai Senstius’s 1934 Quintet, written for the same Copenhagen group as the Nielsen, and Jens Embargo’s suite-like Quintet of 1931 are indeed almost slavishly imitative of the textures and gestures of their model, with little sign of individual creative personalities. But there’s a bit more to Svend Schultz’s lively, witty ‘little serenade’ Une Amourette of 1943. The performances of these minor pieces are enjoyable enough, but their chief effect is to rub in what a towering figure Nielsen was.

Performance – 5 stars

Tobias W. Pfleger, Klassik.com, 
15.02.2016
Tobias W. Pfleger, Klassik.com, 15.02.2016

Great footsteps

By following in Nielsen’s footsteps, the Ensemble Carion themselves leave big shoes to fill. I only wish other ensembles will follow suit.

Original review in German –

Mit dieser Nachverfolgung von Nielsens Fußspuren hinterlässt das Ensemble Carion selbst große Fußstapfen. Es wäre zu wünschen, dass Nachahmer die Fährte aufnehmen.

Das Bläserquintett als feste kammermusikalische Formation bzw. Gattung eigenen Rechts hat es schwer. Im Gegensatz zu den Dimensionen der Reinheit und entmaterialisierten Kunstschönheit, die in der Geschichte dem Streichquartett zugeschrieben wurde, ist das ‚klassische‘ Bläserquintett als Verbindung von Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Horn bodenständiger, in gewisser Weise körperlicher. Der Reinheit des vierstimmigen Satzes steht die fünfstimmige Disposition gegenüber, der Einheit des Streicherklangs die starke Eigenfarblichkeit der Holzblasinstrumente samt Horn mit ihren je unterschiedlichen Obertonspektren, Anblasgeräuschen, Klangentfaltungen und Registereigenheiten.

Carion bringt Schwung in die Szene

So überschaubar wie die im heutigen Konzertleben präsenten Gattungsbeiträge der Geschichte sind auch die stehenden Formationen im Bereich des Bläserquintetts. Oft handelt es sich um projektweise zusammentretende Kammermusik-Auskopplungen aus Orchestern. Ein Ensemble jedoch macht seit einigen Jahren Furore auf dem Sektor der Bläserkammermusik: das Carion Bläserquintett, bestehend aus Musikern des skandinavischen und baltischen Raums (im Beiheft dieser Produktion bezeichnet es sich dezidiert als dänisches Ensemble). Das Ensemble Carion hat eine sehr ansprechende Debüt-CD bei Ars Produktion Schumacher vorgelegt und setzt nun bei Odradek Records mit einem zweiten Streich nach. Noch bei seinem Erstling wurde als Einschränkung wahrgenommen, dass man die Musiker nur hören, aber nicht sehen konnte. Dem entgeht vorliegende Einspielung, denn neben einer CD findet sich eine DVD, auf der der zentrale Programmpunkt als Mitschnitt zu erleben ist. Das ist ein unbedingtes Plus, da man das Ensemble eigentlich live erleben muss; erst dann erschließt sich die ganze Faszinationskraft seines musikalisch-‚szenischen‘ Vortrags, bei dem musikalische Gesten und Ausdruckswerte gleichzeitig in Bewegung umgesetzt werden, was dem Ensemble durch den Verzicht auf Notenpulte ermöglicht wird. Stimmen treten mal nach vorn, um die musikalische Rede ans Publikum zu richten, treten je nach musikalisch-struktureller Konstellation der Stimmen mal zu zweit oder zu dritt zusammen, postieren sich in Reihe – und bewegen sich dabei ständig im Raum. Für Puristen, die Musik in der Form eines Gottesdienstes genießen wollen, mag das ein Gräuel sein; wer sich öffnet für diesen Zugang, wird durch eine Vertiefung der ästhetischen Erfahrung belohnt. Der Genuss von Carl Nielsens Bläserquintett in der Aufführung des Ensembles Carion auf der DVD ist allerdings dadurch etwas eingeschränkt, dass die Ensemble-‚Choreographie‘ doch stark artifiziell anmutet, da bei der gefilmten Aufführung der Dialog mit einem Publikum fehlt (und die Szene etwas überbelichtet erscheint).

Ein Schlüsselwerk und drei Raritäten

Aber auch wenn man das Carion Bläserquintett auf der CD nur hörenderweise erlebt, stellen sich vor dem inneren Auge Bewegungen ein, beginnt die Musik unweigerlich zu tanzen, entfaltet eine Konturenschärfe, als handle es sich um eine Choreographie im musikalischen Raum. Denn die fünf Musiker erfüllen die Musik mit einem mitreißenden Schwung. Das gilt auch für vorliegende Werke, die in Carl Nielsens Bläserquintett op. 34 ihren Ausgang nehmen und jüngere Werke skandinavischer Komponisten präsentieren, die von Nielsens Quintett beeinflusst und inspiriert sind: Das Bläserquintett op. 16 von Kai Helmer Senstius, das Quintetto op. 74 von Jens Laurson Emborg sowie ‘Une amourette’ von Svend Simon Schultz – Werke von Komponisten, die selbst in ihrem Heimatland vergessen sind. Nielsens Bläserquintett gehört zu den ‚klassischen‘ Gattungsbeiträgen des 20. Jahrhunderts, die anderen Werke folgen seinen Fußstapfen, worauf der Titel der Produktion verweist.

Launig

Schon der Beginn von Nielsens Bläserquintett zeichnet ein Relief, das plastischer und feiner gearbeitet ist als in vielen anderen Deutungen. Man kann die solistische Linien und die anschließenden musikantischen Wiederholungsgesten als großen Bogen auffassen und das Kantable betonen oder ihr Zusammengesetztsein aus kleinen bedeutungstragenden Gesten hervorkehren. Treffsicher verbindet das Carion-Quintett beide Ansätze, spielt ‚auf Linie‘ und lässt trotzdem die kecken Akzente wie trotzig widerständige Rustikalitäten einfließen. Dieser Beginn ist beispielhaft für den überzeugenden musikalischen Zugang des Ensembles, der das gesamte Programm durchdringt und zu einem musikalischen Hochgenuss macht. Details werden von den Musikern mit Feingefühl in Bezug auf dynamische Abschattierung, Agogik und Stimmengewichtung herausgearbeitet, ohne aber den musikalischen Fluss zu hemmen. So gewinnen die Charaktervariationen im letzten Satz des Bläserquintetts von Nielsen hohe Plastizität; die einzelnen Temperamente und Gemüter – angeblich habe Nielsen hier die Charaktere der Uraufführungsmusiker, sämtlich gute Bekannte aus dem Kopenhagener Opernorchester – kann man sich lebhaft vorstellen.

Die übrigen Werke nehmen die Spur Nielsens auf, zeichnen sich durch handwerkliche Solidität aus, sind kurzweilig und unterhaltsam und erweisen sich als idiomatisch in Bezug auf die Behandlung der Blasinstrumente. Senstius erkundet mit modalen Einschlägen die Gebiete etwas spröder Polyphonie, zeigt aber im zentralen Variationensatz auch einigen Humor. Emborgs fünfsätziges, kleinteiliger gearbeitetes Quintett ist da deutlich launiger und schließt weiter auseinander liegende Ausdrucksbereiche auf, die von den Musikern sensibel ausgeschritten werden. Unter den Raritäten noch am bekanntesten (zumindest in Dänemark) ist Schultz‘ ‘Une amourette’ (1943), die vom Ensemble Carion mit einigem Augenzwinkern geboten wird.

Direkter Klang

Die klanglich feinsinnige Deutung wird klanglich sehr direkt wiedergegeben. Manchmal sind gar die Klappengeräusche zu hören. Wer nicht hören mag, wie die Musik produziert wird, wird dies vielleicht als störend empfinden; meiner Ansicht nach ist diese das Handwerkliche nicht ausschließende Vermittlungsform absolut angemessen, zumal der Klangraum (aufgenommen wurde in einer Kirche) den Instrumenten genügend Entfaltung bietet. Erfreulich ist die mehrsprachige Präsentation des Einführungstextes. Leider ist die deutsche Übersetzung ein wenig holprig geraten. Mit dieser Nachverfolgung von Nielsens Fußspuren hinterlässt das Ensemble selbst große Fußstapfen. Es wäre zu wünschen, dass Nachahmer die Fährte aufnehmen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert:
Booklet:



Graham Rickson, 
The ArtsDesk.com, 
16.01.2016
Graham Rickson, The ArtsDesk.com, 16.01.2016

Nielsen’s Footsteps – Wind Quintets by Nielsen, Senstius, Emborg and Schultz Carion Ensemble (Odradek)

Carl Nielsen’s Wind Quintet is a humane, witty masterpiece, all the more remarkable coming from a musician whose first instrument was the violin. Nielsen’s symphonies are full of striking woodwind writing – the Fifth’s squealing clarinet solos are like nothing else in the repertoire, and No 6 closes with the sound of farting bassoons. The Quintet was written as a piece of compositional light relief after the seismic Fifth Symphony, Nielsen having overheard a group of wind players from the Royal Danish Orchestra practising in the house of a pianist acquaintance. It succeeds as a beautifully idiomatic piece of wind writing and as a set of character portraits illustrating the five musicians who gave the first performance in 1922 – Nielsen planned to write a concerto for each one, but only finished those for clarinet and flute. There’s a bucolic opening movement, followed by a charming minuet. The finale’s dark opening is a surprise, followed by an entrancing sequence of variations on a Danish hymn tune. The work receives a definitive performance on this disc, from the Danish-Latvian group Carion. There’s a warmth and ease to their playing; it’s as if you’re eavesdropping on private conversations in the quieter moments. Nielsen’s spiky clarinet writing is brilliantly served by Egīls Šēfers, and Niels Anders Vedsten Larsen’s bassoon playing is impeccable.

Smart folk would pay full price for this 25-minute work alone, especially in a performance as good as this. It comes with a smartly choreographed bonus DVD filmed in what looks like a posh art gallery, the players mingling, advancing and retreating and pairing off as the music requires. We get superb couplings in the form of three previously unpublished quintets found in the Danish Royal Library, each one owing much to Nielsen’s example. The opening of Kai Helmer Senstius’s Quintet consciously echoes Nielsen’s. Jens Laursøn Emborg’s is a suite of sharply drawn character pieces, and Svend Simon Schultz’s bubbles with dry humour.

All marvellous – the best wind quintet disc in years.

 

Anne Freyer,
Badische Zeitung,
12.08.2015
Anne Freyer, Badische Zeitung, 12.08.2015

Das dänische Bläserquintett Ensemble Carion bereitete seinem Publikum in Staufen Musikgenuss von höchster Qualität.

Viel ist schon nachgedacht worden über den “Homo ludens”, den spielenden Menschen als ein Erklärungsmodell, wonach der Mensch seine Fähigkeiten vor allem über das Spiel entwickelt. Das gilt gewiss auch für die Musik; nicht von ungefähr heißt es im allgemeinen Sprachgebrauch “ein Instrument spielen”. Freilich gehört eine Menge Arbeit dazu, um es auf diesem Gebiet zu Könnerschaft, ja Virtuosität zu bringen. Das fünfköpfige “Ensemble Carion” bewegt sich auf dieser Ebene – und bereitet damit dem Publikum Musikgenuss von höchster Qualität.

Mehr noch: der Zuhörer fühlt sich direkt angesprochen und einbezogen, ja fast partnerschaftlich akzeptiert. So war es nun bei der vierten Veranstaltung im Rahmen der diesjährigen Staufener Musikwoche zu erleben – wer dabei war, dürfte sich noch lange an diesen Abend als an einen besonders denkwürdigen erinnern.

Die Belchenhalle erwies sich einmal mehr als bestens geeignete Spielstätte mit ihrer überraschend guten Akustik und ihrer freundlichen Anmutung, die sich nicht zuletzt dem freien Blick durch die breite Fensterfront auf das üppige Grün der hohen Bäume und auf den späten Übergang vom Tag zur Nacht verdankt. Diese Aussicht hat den Musikgenuss des Publikums womöglich noch zusätzlich gesteigert. Ob die Musiker selbst diese optische Verbindung von drinnen und draußen ähnlich angenehm empfunden haben, lässt sich schwer nachprüfen – ihrem übermütigen, inspirierten und dabei an Präzision nicht zu überbietenden Spiel nach fühlten sie sich jedenfalls sehr wohl.

Ihre Eröffnung mit György Ligetis “Sechs Bagatellen für Bläserquintett” kam so spritzig-sprudelnd wie ein Glas Sekt, als Aperitif gereicht, daher und ließ bereits erahnen, welche Genüsse noch bevorstanden. Dabei hat es sich der ungarische Komponist nicht leicht gemacht mit diesen sechs “Stückchen von geringer Bedeutung (Duden)”, legte er ihnen doch ein strenges und symmetrisch angeordnetes Muster zugrunde, wonach die dritte und vierte Bagatelle das Zentrum bilden und das Allegro grazioso laut Selbstauskunft das “persönlichste” Stück darstellt, während zwei Sätze folkloristische Elemente enthalten und die beiden Ecksätze an Strawinsky erinnern. Die Fünf vom Ensemble Carion, bestehend aus Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott, zeigten sich den vielen Takt- und Rhythmuswechseln spielend gewachsen, ja verliehen diesem Feuerwerk an Einfällen ihre ganz eigene Note.

Und das nicht zuletzt dank der Bewegungsabläufe, die sie sich dazu angeeignet haben und die die jeweiligen musikalischen Intentionen vom Duett zum Duell, vom Solo über das Zwiegespräch bis zum Unisono begleiten und verstärken. So ergaben sich, und das auch bei den folgenden Stücken, immer wieder neue Konstellationen auf der Bühne und darüber hinaus Synergieeffekte mit dem Publikum, das sich fast wie im Zwiegespräch einbezogen fühlen durfte.

Schwierigkeiten als willkommene Herausforderung

Das bekam auch der Interpretation des ursprünglich als Oktett komponierten Quintetts op. 103 in Es-Dur von Ludwig van Beethoven gut, der laut der humorvollen Erklärung eines der Ensemblemitglieder damit einst das Bedürfnis des Wiener Publikums nach sogenannter “Harmoniemusik” befriedigte. Die viersätzige Sonate hat jedoch die Zeiten überdauert und verdankt ihre ungebrochene Wirkung als Quintett der Überarbeitung durch den Klarinettisten Ulf-Guido Schäfer. Die “Trois pièces brèves” (Allegro, Andante, Assez lent) des 1962 verstorbenen Jacques Ibert wirkten ebenfalls wie extra für die Carions geschrieben. Sie kamen nicht nur mühelos mit den vertrackten Spitzfindigkeiten der Komposition zurecht, sondern schienen sie geradezu als willkommene Herausforderung zu begrüßen, etwa das gleichzeitige Spiel in verschiedenen Tonarten, und das durchgehend auswendig wie im Übrigen das ganze Konzert.

Als Höhepunkt und Abschluss gab es von der dänischen Bläserquintett-Formation eine Hommage an einen der meistgespielten und -gesungenen Komponisten ihres Landes: Carl Nielsen (1895 – 1931). Er war Zeitgenosse von Igor Strawinsky, Claude Débussy und Béla Bartòk, ließ sich aber für sein Bläserquintett in drei Sätzen von Mozart inspirieren. Daraus entstand eine symphonische Dichtung, mit der er seiner dänischen Heimat Reverenz erwies und die die Solisten von Carion mit spürbarer Hingabe und großem Ernst umsetzten und nicht nur dafür begeisterter Applaus bekamen.

Birgit Jürgens,
Hildesheimer Allgemeine Zeitung,
12.05.2015
Birgit Jürgens, Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 12.05.2015

Eine leere Bühne. Keine Stühle. Keine Notenständer. Nichts. Doch mit welchen außergewöhnlichen Zutaten sich dann die Bühne füllt, muss man einfach sehen und hören. Wenn das 2002 gegründete dänische Bläserquintett Carion sein audio-visuelles SchauSPIEL-Programm mit Pfiff in den Raum entlässt, reißt es direkt das Publikum mit. Im Kulturringkonzert im Stadttheater zeigen die preisgekrönten vier Bläser, wie lebendig und humorvoll man klassische Musik kommunizieren kann. Anete Toca (Flöte), Egils Upatnieks (Oboe), Egils Sefers (Klarinette), David M.A.P. Palmquist (Horn) und der Fagottist Niels Anders Vedsten Larsen gehen in ihrem Spiel aufeinander zu und machen Musik sichtbar. Hier werden Themen, Motive, Notentexte locker dem Publikum vor Ohren und Augen geführt.

Mal gruppieren sich einzelne Musiker, dann treten sie zurück oder bleiben im Hintergrund. Doch im Vordergrund stehen die vielfältigen Dialoge, die direkt aus der auswendig gespielten Musik sprechen. Die Besonderheiten der Werke von Ludwig van Beethoven bis zu György Ligeti bringen die Interpreten werkgetreu und zugleich einmalig originell auf den Punkt. Durch György Ligetis „Sechs Bagatellen für Bläserquintett“ aus dem Jahr 1953 weht in den virtuosen raschen Sätzen ein frischer, rhythmisch scharfer Wind. Und in die langsamen Passagen legen die Musiker einen fabelhaft dynamischen, farbenstarken Reichtum. Heitere Töne und Überraschungsmomente schwingen an dieser Stelle besonders sichtbar mit.

Die heiteren Töne begleiten auch die Moderationen Palmquists und Larsens. Der Arrangeur Palmquist gibt den Werken großer Meister gerne den letzten Schliff und schreibt sie dem Ensemble auf die Instrumente. Ludwig van Beethovens Bläseroktett Es-Dur (op. 103) hat Palmquist für Quintett „verbessert“. „Jetzt ist es perfekt“, grinst der Hornist.
Mit dezenten Schau-Spielkünsten nähert sich das Quintett Beethovens Werk. Besonders die sanften Tongebungen im langsamen Satz begeistern wie auch die tänzerische Frische im Menuett. Erstklassige Intonation, dynamischer Feinschliff und Werktreue reichen sich auch hier die Hände.
Wenn Carion Dmitri Schostakowitschs bekannter Walzer Nr. 2 aus der Suite für Varieté-Orchester auf den Instrumenten tanzt, geht die bissige Ironie des Stücks delikat komisch über die Bühne. Doch bei aller Komik und Würze haben es diese Künstler nie nötig, zu überzeichnen. Vielmehr bleibt eine neu geschaffene Aufführungskunst das oberste Gebot der
Musiker. Der Schritt vom Teufelsgeiger Niccolo Paganini über Franz Liszt bis hin zu den Teufelsbläsern des Carion-Quintetts ist klein. Ein paar Jahre nach Liszt „verbesserte“ der Hornist Herr Palmquist Liszts Paganini-Sonate a-Moll. Und dann fliegen die Finger und Töne, das SchauSPIEL wird zum rasanten, Schwindel erregenden Ohren- und Augenschmaus. Und Paganini und Liszt können einpacken. Mit Eduardo di Capuas „O sole mio“ und einer sehr kurzen Version von Mozarts Arie des Papageno „Der Vogelfänger bin ich ja“ aus der Zauberflöte entlassen die Ausnahmekünstler das begeisterte und vergnügte Publikum.

Deutschlandradio
Deutschlandradio
“Wie eine Art aufgeschlagene Partitur, in der sich einem hier die kompositorische Architektur ja bis ins letzte Detail offenbart, nur dass sie keiner lesen können muss, dafür ist Ensemble CARION ja da. Und es weckt Bilder im Kopf oder bestimmte Szenen, aus denen sich der Hörer je nach Fantasie, ein eigenes kleines Bühnenstück entwerfen kann.”
“Spieltechnisch auf Höchstniveau”
“Mit Musik durch drei Jahrhunderte führt das CARION Bläserquintett hier sein Hörpublikum klanglich exzellent und äußerst vergnüglich.”
Ulrike Henningsen,
NDR Kultur,
15.11.2013
Ulrike Henningsen, NDR Kultur, 15.11.2013

Kammermusik kommt in der Regel ohne Choreografie aus. Die Musiker sitzen oder stehen nah beieinander, jeder vor einem Pult, die Hände sind am Instrument, die Augen auf die Noten gerichtet. Was aber passiert, wenn man diese Anfangsformation verlässt? Das tut seit einigen Jahren das dänische Quintett Carion. Die fünf Bläser spielen ihre Programme in den Konzerten immer auswendig. Und sie bewegen sich dabei auf der Bühne.

Nun haben die Musiker eine CD mit Werken von der Klassik bis zur Moderne eingespielt. Wirkt sich die Bewegungsfreude in den Konzerten auch auf eine Studioaufnahme aus?

Bilder im Kopf

Der Anfang von Györgi Ligetis erster Bagatelle wirkt wie ein Weckruf der Musiker: “Achtung los geht’s!”

Im Drang zu erzählen sind sich die Musiker einig, obwohl sie in der Sache unterschiedliche Meinungen haben – aber jeder kommt zu Wort. Angeregt, manchmal fast ein bisschen hitzig ist diese Unterhaltung. Völlig anders dagegen der Eindruck bei Bagatelle zwei.

Worüber klagt die Oboe? Und leiden die Anderen mit oder setzen sie etwas dagegen? Bei den Interpretationen vom Carion Ensemble entstehen Bilder im Kopf – von Menschen, die miteinander reden und fühlen. Beim Klassiker der Moderne genauso wie beim Klassiker Antonio Rosetti. Als Kapellmeister der Hofkapelle in Wallerstein verfügte der Böhme Rosetti alias Franz Anton Rösler über hervorragende Bläser. Daher schrieb er besonders für diese Besetzung viele reizvolle Kompositionen.

Hohe Spielkultur

Jeder Bläser des Carion Ensembles spielt technisch souverän. Gemeinsam entwickeln die Musiker dann einen sehr homogenen Klang, denn Gestaltungsmittel wie Artikulation, Dynamik und Vibrato sind klar abgesprochen. Innerhalb dieses Klangs treten einzelne Bläser hervor, wie beim zweiten Stück der “Trois pièces brèves” von Jacques Ibert.

Besonders überzeugend werden die Interpretationen aber nicht nur wegen der hohen Spielkultur. Es ist die innere Haltung, die sich überträgt und den Hörer tatsächlich direkt anspricht. Denn Artikulation, Phrasierung und Dynamik allein reichen ja noch nicht aus. Erst in Verbindung mit dem Gefühl kann die Musik lebendig werden.

Mutig und konsequent

Bei ihren Konzerten bewegen sich die Musiker wie Schauspieler über die Bühne, kommen aufeinander zu, stecken die Köpfe zusammen und suchen wieder Abstand. Die Verbindung von musikalischen mit körperlichen Gesten ist grundsätzlich nicht neu. Viele Sänger und Instrumentalisten bewegen sich beim Spielen. Ungewöhnlich für ein Kammermusikensemble ist, dabei auch den Raum zu nutzen. Alle Bläser lösen sich dafür komplett von ihren Notenpulten. Das ist mutig und konsequent, denn so können sie sich noch stärker dem Ausdruck widmen.

Diese Musizierhaltung spürt man auch in der Studio-Einspielung. Sie macht Lust auf mehr und neugierig auf einen Konzertbesuch.

Malene Wichmann,
DR P2,
5.12.2013
Malene Wichmann, DR P2, 5.12.2013

“Strong soloists and festive live ensemble!” “Our selection for the CD of the week, no question about it, is Carion’s signature piece – Six Bagatelles by G. Ligeti.”

Arnt Cobbers,
classic-newsletter.de,
18.12.2013
Arnt Cobbers, classic-newsletter.de, 18.12.2013

“So schön und abwechslungsreich kann Bläsermusik sein: Das erfolgreiche dänische Holz-Bläserquintett Carion geht auf einen Streifzug durch die Musikgeschichte und präsentiert Werke aus dem 18. und dem 20. Jahrhundert: zwei Quintette von Beethoven und Rosetti sowie Werke von Ibert, Ligeti und den Zeitgenossen Eurico Carrapatoso und Stephen Montague. Und zum Abschluss der vergnüglichen Hörstunde erklingt O sole mio!”

pizzicato.lu,
11.12.2013
pizzicato.lu, 11.12.2013

“Der Titel dieser neuen Produktion macht eigentlich nur Sinn, wenn man das dänisch-lettische Bläserquintett auch in Aktion sieht. Es lohnt also ein “Konzertbesuch oder ein Mausklick zu einem Internetvideo. Das Ensemble ‘Carion’ bietet keinen klassischen Konzertauftritt – fünf Musiker im Halbkreis, die ihr Programm spielen. ‘Carion’ ist immer in Bewegung, spielt Musik und spielt mit der Musik – eben ein Spiel zum Anschauen. Nichtsdestotrotz macht auch die rein akustische Fassung, das Klang-Schauspiel pure Freude, dank eines Quintetts, das gleichermaßen kommunikativ und virtuos musiziert. Die Stilsicherheit, mit der Carion ebenso in Ligetis ’6 Bagatellen’ wie auch im neapolitanischen Volkslied ‘O sole mio’ überzeugt, ist frappierend.”

Deutschlandradio

”These young players are just the best there is and I am honored and indeed very lucky to have been given the chance to play with them.”

Sir James Galway

Tobias W. Pfleger,
KLASSIK.COM,
22.10.2013
Tobias W. Pfleger, KLASSIK.COM, 22.10.2013

Der Bläserquintett-Formation Carion gelingt mit dieser Einspielung ein diskographisches Ereignis. Sehr zu empfehlen!

Die dänische Bläserquintett-Formation Carion zählt zu den spannendsten Kammermusikensembles der Gegenwart – und wird es wahrscheinlich auch in Zukunft tun.

Es ist schon erstaunlich, dass sich in heutiger Zeit ein Bläserquintett abseits des gelegentlichen Zusammentretens von Bläsersolisten eines Sinfonieorchesters als stehendes Kammermusikensemble zusammenfindet. Doch weitaus bemerkenswerter ist die Art und Weise, wie sich das Ensemble Carion der Musik nähert bzw. diese vermittelt: Die vier jungen Musiker haben es zu ihrem Markenzeichen entwickelt, auf der Bühne nicht nur auswendig zu spielen, sondern die dadurch erleichterte musikalische Interaktion durch Bewegungen auf der Bühne zu verdeutlichen.

Wer nun denkt, dass eine dergestalt ‚choreographierte‘ Deutung redundant wirke, weil sie den musikalischen Ausdruck ins Gestische spiegelt, rechnet die Kreativität und künstlerische Redlichkeit des Ensembles Carion nicht mit ein. Denn wie von den Musikern Ausdrucksgesten mal mit Witz, mal ganz ernsthaft, aber stets ohne Überzeichnung in gewissermaßen konzert-szenische Interaktion überführt werden, ist äußerst spannend und eröffnet neue Dimensionen ‚ganzheitlicher‘ musikalischer Wahrnehmung.

Freilich fällt die visuelle Ebene bei einer CD-Einspielung weg, auch wenn sie als hybride SACD die Möglichkeit bietet, die Stereo-Perspektive durch größere Räumlichkeit zu erweitern. Die nun bei Ars Produktion Schumacher erschienene Einspielung nennt sich ‚SchauSpiel‘; der Titel verweist natürlich auf die von diesem Ensemble zum Markenkern erhobene visuelle Komponente des Musizierens. Mit dem Programm, das von klassischen Werken (Beethoven, Rosetti), über die Klassische Moderne (Ligeti, Ibert) bis in die Gegenwart reicht, hat der beliebig wirkende Titel kaum etwas zu tun.

Allerdings wird vom Ensemble Carion das Besondere der in Konzerten eingezogenen visuellen Ebene auch in der nur hörenderweise wahrzunehmenden musikalischen Gestaltung deutlich: Die jungen Musiker pflegen nämlich ein geradezu gestisches Musizieren, was dazu führt, dass Phrasen als musikalische Gesten erfahrbar werden.

Das zeigt sich paradigmatisch in György Ligetis Sechs Bagatellen für Bläserquintett (1953), die den Höhe- und Mittelpunkt dieser Einspielung bilden. Es ist zum Schwärmen, wie von den Musikern die melodische Frische, die klangfarbliche Reichhaltigkeit und vor allem der rhythmisch-tänzerische Elan in ebenso glühende wie gelenkige Ausdrucksgesten überführt wird. Dabei gehen geradezu musikantisch zupackende Bewegungsenergie und rhythmische Überlagerungen (wie im vierten Satz ‘Presto rubido’) eine beinahe süchtig machende Verbindung ein.

Von großem Nuancenreichtum, insbesondere im Hinblick auf die Klangfarbenmischung, ist auch die Umsetzung von Eurico Carrapatosos ‘Cinco Elegias’ op. 11 (1997). In den fünf Miniaturen ruft der portugiesische Komponist verstorbene Kollegen der Klassischen Moderne, sehr feinfühlig deren musikalisches Idiom nachbildend, musikalisch in Erinnerung. So wird der Duft Tailleferres mit feinen Strichen von der Archaik Bartóks und den verdichteten Ausdrucksgebärden Weberns abgesetzt.

Das enorme spieltechnische Niveau sowie stilistische Flexibilität werden in Antonio Rosettis Es-Dur-Quintett und in Ludwig van Beethovens in gleicher Tonart stehendem Bläserquintett op. 103 (eine Bearbeitung des Hornisten von Beethovens frühem Oktett) deutlich. Die schnellen Sätze atmen eine mit feinen Linien verbundene Leichtfüßigkeit; schnelle Läufe, die hoch liegende Hornpartie im Rosetti-Quintett sowie dynamische Abstufungen unter den Stimmen bereiten dem Ensemble Carion offensichtlich keinerlei Probleme.

Was aber darüber hinaus erstaunt, ist die wunderbar geschlossene Klanggestaltung. Im Gegensatz zu vielen anderen Bläserquintetten, deren Gesamtklang durch die mit und ohne Vibrato spielenden Instrumente mäandernd erscheint, gleichen die fein ausgehörten und blitzsauber gespielten Akkorde hier einem Blick in klares, frisches Wasser. Die exzellente Klangtechnik, die den Musikern genügend Raum verleiht, aber doch einen kompakten Ensembleklang fördert, unterstützt diesen Eindruck.

Der Bläserquintett-Formation Carion gelingt mit dieser Einspielung ein diskographisches Ereignis. Selbst wenn man den Musikern hier nicht zuschauen kann – ihre musikalische Gestaltung atmet so viel Lebendigkeit, dass man von der Spielfreude und dem Ausdrucksreichtum mitgerissen wird. Sehr zu empfehlen!

Barbara Gutmann,
Badisches Tagblatt,
30.04.2013
Barbara Gutmann, Badisches Tagblatt, 30.04.2013

“Kammermusik in neuem Gewand: Einen unverwechselbaren Konzertstil präsentierte Carion. Das Auge wurde praktisch zum Hörorgan.

Mit Witz und schauspielerischer Freude machen die Musiker moderne Musik zu einem auch für eingefleischte Klassik-Fans amüsanten Hörerlebnis.”

Volker Beuckelmann,
Ruhr Nachrichten,
23.09.2012
Volker Beuckelmann, Ruhr Nachrichten, 23.09.2012

“Sie spielten alle Stücke auswendig und kommunizierten sowohl miteinander als auch mit dem Publikum, indem sich die Musiker ständig auf der Bühne bewegten und damit eine neue Dimension der Musik eröffneten.”

Kurt-Ludiwg Forg,
Borkener Zeitung,
24.09.2012
Kurt-Ludiwg Forg, Borkener Zeitung, 24.09.2012

“…ensemble, das so eine fast traumhaft wirkende Atmosphäre zu kreieren wusste…”

“…mit dem ersten Konzert der Konzertreihe wurde ein wunderschöner Anfang für diese Saison geboten…”

Axel Junker,
Volksstimme,
29.09.2011
Axel Junker, Volksstimme, 29.09.2011

“…Den Auftakt bestritt das dänische Bläserquintett “Carion”. Konzertbesucher und Musiker waren gleichermaßen begeistert von der Virtuosität der jungen Dänen…”

Volksstimme,
21.08.2011
Volksstimme, 21.08.2011

“…Musikalischer Hochgenuss! … Das Publikum dankte es den Künstlern mit reichlich Beifall…”

Antje Rößler,
Märkische Oderzeitung,
26.08.2011
Antje Rößler, Märkische Oderzeitung, 26.08.2011

“…Stattdessen bewegen sich die fünf Musiker frei im Raum. Sie bilden mal eine Reihe, dann wieder ein Spalier oder einen Kreis. Die kleinen Choreografien machen die Strukturen der Musik deutlich. Ein Kanon von Mozart gerät geradezu zum Tanz, wenn jeder Musiker bei seinem Einsatz einen energischen Schritt nach vorn macht…”